| Diese Platte blieb zunächst abseits der schweißdampfenden Vorhölle der Tanzpaläste weitgehend ungehört. Obwohl das verrückte Prodigy-Remake des Ska-Klassikers "Out of Space" auch hierzulande rasch zum Kultsong avancierte und die nächste Single "Wind It Up" in dieselbe Richtung tendierte. Musikalisch schließt sich auf Experience -- einem der schrillsten Dancefloor-Alben der 90er -- der Kreis von Reggae und Hip Hop über Acid- und Technohouse zu Breakbeat und Jungle. Statt wie sonst in diesem Sektor üblich, einer halben Idee pro Song, bringen es Prodigy auf ein bis zwei Dutzend. Rasend dahinpolternde Drums, nervöse Micky Maus-Stimmen und dazu Keyboard-Sequenzen, für die sich Kraftwerk nicht schämen müßte. Was sich hier abspielt, gleicht einem wildgewordenen Dampforgel-Karussell, das wie ein Brummkreisel durch Entenhausen rotiert, begleitet von einem DJ, der ,von einem Hubschrauber aus, alle Public Enemy-Platten gleichzeitig abspielt -- auf doppelter Geschwindigkeit. Dicht, schnell und grell klingt das englische Quartett, benannt nach einem legendären Synthesizer und masterminded von einem jungen Ex-HipHopper namens Liam Howlett. Auch wenn sich The Prodigy mit Music for the Jilted Generation bald selbst revolutionieren sollten, bleibt Experience ein vibrierender und funkenstiebender Electronik-Meilenstein. --Christian Arndt |