| Wenn man zehn Jahre lang Hit-Platten abliefert, dann sollte man doch meinen, dass die Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan den Dreh endlich raus hat, wie man brauchbare Rocktexte schreibt. Aber bereits nach weniger als zwei Minuten entlädt sich dann im fünften Album dieser irischen Gruppe ein Geistesblitz von unvergleichlichem Niveau: "Birds in the sky/they look so high" ("Die Vögel am Himmel/Die sehen so hoch aus) gurrt sie bei dem Eröffnungstrack "Never Grow Old", bevor sie dann fortfährt "I feel the breeze/I feel at ease" ("Fühl ich die Brise/fühl ich mich wohl"). Tja, so hört es sich an, wenn sie erbarmungslos clever daher kommt. In dem Titeltrack scheut sie sich noch nicht einmal, ihre in der Grundschule gelernten Literatur-Lektionen in Dichtung umzusetzen. Sie wiederholt ganz einfach jeden Vers und reimt so jeden Gefühlsausdruck mit sich selbst. Diese nachlässige Schreiberei ist wirklich eine Schande, denn sie versperrt einer der letzten wirklich klaren, ungekünstelten Stimmen der Rockszene den Weg. Das musikalische Können der Cranberries mag bei diesem fünften Album zwar weitgehend intakt geblieben sein, denn es präsentiert kräftige, heftige Rhythmen und symphonischen Elan bei Tracks wie "I Really Hope" und "This Is The Day". Aber es fällt einem schon schwer, seine Zuneigung aufrecht zu erhalten, wenn man ständig über diese peinlichen Texte stolpert. --Jaan Uhelszki |