| Wenn man bedenkt, dass Radiohead zu den Bands gehören, die am häufigsten auf der ganzen Welt auf Bootlegs zu hören sind --fast jede öffentliche Äußerung ist irgendwo veröffentlicht worden -- dann kommt das Auftauchen von I Might Be Wrong, das erste offizielle Livealbum der Band, doch reichlich verspätet und scheint ein wenig überflüssig zu sein. Andererseits haben Radiohead es nie aufgegeben, den Schwarzmarkt aktiv daran zu hindern, ihre Livemusik zu vermarkten. Dies stellt einen schon vor das Rätsel, was als Absicht hinter diesem Album steht. Ist es für die hartgesottenen Fans gedacht, die alles legal erwerben wollen? Oder ist es ein symbolischer Akt, ein Schlussstrich unter die phasenweise interessante, aber frustrierend hartnäckige Anti-Gitarren-Rockmusik der Kid A/Amnesiac-Ära und der Beginn eines völlig neuen Abschnitts? Oder wollten sie ganz einfach nur ein neues Livealbum heraus bringen? Wir müssen geduldig sein und abwarten. Und sie selbst müssen wahrscheinlich genau das gleiche tun. Dennoch ist I Might Be Wrong, das acht Songs aus Liveauftritten in Berlin, Oslo, dem römischen Amphitheater in Vaison-Le-Romaine (wie das an Pink Floyd erinnert!) und von ihrem triumphalen Tourneeabschluss im South Park in Oxford zusammen bringt, über jeden Vorwurf erhaben, selbst wenn die Darbietungen "National Anthem" (erinnert an Charlie Mingus inspiriert von einer krächzenden Motörhead-Begleitung) oder "I Might Be Wrong" (Led Zeppelin trifft Blondies "Rapture") ein wenig von der Partitur der Original-Studioversionen abweichen. Die bemerkenswerte Ausnahme bildet eine tolle Wiedergabe von "Like Spinning Plates", bei der die Elekronikklänge im Hintergrund des Amnesiac-Original von einer romantisch verzierten Klavierbegleitung überlagert werden und das so zu einem klassischen Radiohead-Erlebnis wird. Langjährige Fans werden auch bemerken, dass hier zum erstenmal "True Love Waits" auf einer Platte auftaucht (Yorke solo mit Akustikgitarre), ein Song, an dem Radiohead seit Jahren herumgebastelt hat und der endlich Hand und Fuß und ein passendes Zuhause gefunden hat -- nämlich genau hier. --Kevin Maidment |