| Linda Ronstadt war Amerikas Liebling der Siebziger, weil sie ein hübsches Gesicht mit einer hübschen Stimme und einer sauberen Persönlichkeit verband. Ihre Songs mochten voll von großen Tönen und hochtrabenden Emotionen sein, aber sie befriedigten jede vorhersehbare Erwartung an eine Liebesballade oder einen Party-Rocksong. Aus genau denselben Gründen ist Mariah Carey Amerikas Liebling der Neunziger. Music Box stieg mit seinen Nummer-Eins-Singles wie "Dreamlover" und "Hero" an die Spitze der Billboard Album Charts. Die Titel, einer ein hohler Minni-Riperton-Abklatsch und der andere eine steife Barbra-Streisand-Imitation, deuten an, wie sehr Carey sich auf ungebändigte Fantasie verläßt (sie ist die Fantasierende in den Texten und gleichzeitig das Objekt der Fantasie in den Videos). Diese Songs, die wie der Großteil des Albums von Walter Anasieff gemeinsam mit Carey selbst geschrieben und produziert wurden, sind konstruiert, um den schwindelerregenden Sopran der Sängerin vorzuführen, und nicht, um eine neue Herangehensweise an ein abgedroschenes Thema zu liefern. Selbst wenn man ihr, wie in ihren derzeitgen Singles, eine kraftvolle Ballade zu singen gibt -- Babyfaces "Never Forget You" oder Badfinger/Nilssons "Without You" -- übertreibt sie die Selbstmitleid-Parts so sehr, daß der Song seine dramatische Spannung verliert. --Geoffrey Himes |
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