| Jurassic 5 sind Kinder des Underground-Raps. Das Kollektiv aus dem einstigen Gangsta-Rap-Mekka Los Angeles gehört zu den Bands, die mit dicken Autos, Mode und schnellem Geld nichts gemein haben. Chali 2na, Zaakir, Marc 7even, Akil, Cut Chemist und DJ Nu-Mark erheben HipHop durch seine jazzigen Arrangements und politische Korrektheit der Texte zur Kunstform, womit sie L.A.-Gruppen wie The Pharcyde, Freestyle Fellowstyle oder Ugly Duckling nahe stehen. Das supercoole Debütalbum EP erschien schon 1997, kam in Deutschland um einen Track erweitert zeitverzögert als LP heraus. Spätestens durch ihren Auftritt in der Lyricist Lounge spielten Jurassic 5 mit Mos Def, Common, Talib Kweli oder The Roots in einer Liga. Nach ihrem sehr respektablen Zweitwerk Quality Control zeigen die vier MCs und zwei DJs nun auch auf Power In Numbers von ihrer kalifornischen Sonnenseite. Das Motto bleibt weiter "take 4 MC's and make them sound like 1". Groß, wie hier nicht die harten Reime runtergeprügelt, sondern in einem Singsang-Stil verflochten werden. Dazu paaren sich soulige Melodien, das bekannte Flötenspiel, unzählige Jazz-Zitate wie auch als Neuerung afrikanische und nahöstliche Sounds. Überhaupt finden sich neue Fassetten und Ideen auf Power In Numbers, auch Gastauftritte wie der von Big Daddy Kane sind eher untypisch für das Sextett. Auch wenn die supergriffigen Melodien des Debüts fehlen: Der hoch erfreuliche Entwicklungsprozess von Jurassic 5 geht weiter, und das dritte Album der Könner von der Westküste gehört zu edlen Tropfen im durchwachsenen HipHop-Jahrgang 2002. --Sven Niechziol |