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Anthology

John Lennon



Anthology Die Geschichte, die in The John Lennon Anthology erzählt wird, handelt von dem unsteten früheren Beatle, der sich fünf Jahre lang zurückzog, um sich um seinen Sohn zu kümmern und dann mit einem Album voll von friedlichen Überlegungen über das Leben als Hausmann zurückkehrte. Diese Geschichte ist nicht neu, aber sie ist eine Art Mythos geworden, und sie trägt dazu bei, die Aufmerksamkeit auf John Lennon als Mensch und als Musiker zu lenken. Seit seiner Ermordung (1980) hat im öffentlichen Bewusstsein das Bild von John Lennon als Mann des Friedens allzu oft seine Rolle als Rockmusiker, als Vater, als Mensch mit Fehlern total überlagert. Diese riesige Sammlung von Kuriositäten -- unveröffentlichte Studioaufnahmen, Smalltalk, Live-Aufnahmen, Alternativ-Versionen und Demos -- ist notgedrungen chaotisch, aber sie erweist uns allen einen unschätzbaren Dienst. Sie bringt die überlebensgroße Statue John Lennon wieder auf ein normales Maß zurück.

Einige der beeindruckendsten Augenblicke dieses Sets kommen gleich zu Beginn, in acht bisher unveröffentlichten Aufnahmen von Songs, die den größten Teil von Plastic Ono Band (1970) ausmachen. Hier bei einem der kompromisslosesten Alben der Rockmusik erleben wir ihn in höchstem Maße wütend, traurig und nachdenklich. Die Aufnahmen, die in Anthology zu finden sind, präsentieren einen John Lennon, der zwar nicht unbedingt glücklich erscheint, der sich aber auf jeden Fall in seinem Element -- der Rockmusik -- befindet. Selbst wenn er ganz leidenschaftslose Passagen einbaut, um Dämonen zu vertreiben, so bleibt er doch immer noch der Junge, der sich als Teenager dieser Musik verschrieben hat; bei einer frühen, bedächtigen Version von "Hold On" lässt er sein Gitarrenspiel nahtlos in den zentralen Riff von Bill Doggetts "Honky Tonk" übergehen.

An anderer Stelle erhalten wir einen tiefen Einblick in das Auf und Ab von Lennons Jahren als Solokünstler und als Partner des Duos mit Yoko Ono. Er schlittert hier aus dem Charme von "Imagine" und "It's So Hard" in die grobe Polemik und die hölzernen Reime von "John Sinclair" und "Attica State". (Die Ankündigung dieses Songs ist nicht richtig, denn die Erinnerung an dieses Gefängnismassaker ist nicht dieser misslungenen Hymne zu verdanken). Die Aufrichtigkeit des Gesangs von John Lennon während seiner gesamten Karriere wurde bereits häufig kommentiert, und sie macht diese Sammlung so wertvoll. Ob es sich um eine Alternativ-Version des schmerzlichen Songs (1974) "Nobody Loves You When You're Down and Out" handelt, um die freudig mit Volldampf daher rockenden "Be Bop a Lula" und "Move Over Ms. L" oder um eine fantastische Aufnahme von "Be My Baby", es ist und bleibt immer die Stimme, die das Fenster in die Seele dieses Menschen öffnet.

Wir erleben hier auch, wie er unter seiner zeitweiligen Trennung von Yoko litt, da er eine Passage von "Jealous Guy" in das Demo für das sonst so ausgelassene "Whatever Gets You Through the Night" einfügt und wenn er kleinlaut um "one more chance" bei einer ähnlichen Aufnahme von "Mind Games" bittet. Schließlich gibt es aber auch die vielen humorvollen Augenblicke -- die Skizzen von "I'm the Greatest" und "Goodnight Vienna" für Ringo, dem locker vom Hocker Rocker "Be Bop a Lula" -- und dem bewusst misslungenen "Serve Yourself", eine Anspielung auf Dylans Renaissance, oder einige kämpferische Auseinandersetzungen im Studio mit Phil Spector, deren Wahnsinn eigentlich jeden normalen Menschen mindestens ein halbes Jahrzehnt aus dieser Szene vertreiben müsste. Anthology ist nicht perfekt, aber das breit angelegte Bild von Lennons Jahren nach der Beatles-Phase vermittelt das Bild eines Menschen, mit dem man ganz gerne einmal etwas zu tun gehabt hätte. --Rickey Wright





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