| Moderner Metal mit weiblichem Gesang war bislang noch nicht sonderlich angesagt, doch mit Evanescence wird auch diese Nische mehrheitsfĂ€hig: Fallen schoss in den USA direkt nach Veröffentlichung bis in die Top Five der Albumcharts hoch. Was auf den ersten Blick wie ein trendiges Retorten-Produkt wirkt, ist bei nĂ€herem Hinsehen eine verdammt solide und bodenstĂ€ndige Platte, deren Nu-Metal-/Rock-Schlagseite nicht so prĂ€gnant wie erwartet aus den Boxen gedonnert kommt. Die Gitarrenarbeit weist mit ihren breitflĂ€chigen, rhythmusbetonten Riffs zwar unĂŒberhörbare Parallelen zu Linkin Park auf, ansonsten vertraut man aber eher auf straighten, zeitlosen Heavy-Metal mit einem ordentlichen Schuss Gothic-Metal-Bombast, unauffĂ€lligen Electronica-Grundierungen und einer Prise Singer/Songwriter-Melodien. Stilistisch ist man einer Band wie Lacuna Coil 'ne ganze Ecke nĂ€her als der Nu-Metal-Megaseller-Elite. Besonders auffĂ€llig wird das konsequente Ignorieren derzeitiger Hypes bei den balladesken StĂŒcken, die mit ihren dezenten Piano-Einlagen und zarten Streicher-Farbtupfern wie poppigere Versionen von Tori-Amos-Tracks klingen. Dank durchweg origineller, sehr eingĂ€ngiger Gesangsmelodien weiĂ die aus Arkansas stammende Band sowohl in ruhigen wie in rockigen Momenten zu ĂŒberzeugen und dĂŒrfte nach den USA auch Europa im Sturm erobern. --Michael Rensen |