| Geradlinig geht es auf dem siebten Blur-Album Think Tank nur selten zu. Der Tank ist voll gepackt mit vertrackten Rhyhthmen, ExperimentalklĂ€ngen, Verfremdung von Bekanntem, seltsamen Beats -- oft der langsamen, eher nachdenklichen Art. Schon beim Auftakt mit "Ambulance" schleppen sich Bass 'n' Drums im Slow-Motion-Verfahren dahin, als sei es ein StĂŒck von Can mit Bowie als SĂ€nger. Damon Albarn hĂ€lt das Werk aus vielen Kanten und losen Enden mit sanfter Stimme zusammen. Seit dem Weggang von Gitarrist Graham Coxon -- der noch ein schönes Abschiedsgeschenk mit "Battery In Your Leg" hinterlieĂ -- ist Blur ein Trio. Und probiert alles aus, was ihm in die Finger kommt. Andalusisches etwa, mit einem marokkanischen Streichorchester ("Out Of Time"), Funk und Akustik-Blues ("Brothers And Sisters"), Low-Fi-Jazz mit Saxofon ("Jets"), aber auch ĂŒbermĂŒtig-fröhlichen Dub-Reggae in bester Clash-Manier ("Gene By Gene"). Und nicht immer sĂ€uselt es so vertrĂ€umt wie auf dem exotischen "Caravan". Manchmal rumst unvermittelt wĂŒster Punk dazwischen -- der Song-Titel "We've Got A File On You" ist lĂ€nger als der Aufschrei -- ganz trashig arrangiert mit Scratch und Co. der "Crazy Beat". Mutig, spannend und kein bisschen Britpop. --Ingeborg Schober |