| Aerosmiths dominierende Stellung als die größten Helden der amerikanischen Hard-Rock Szene schien gegen Ende der 70er-Jahre endgültig untergraben. Schuld daran waren die ewigen Streitereien innerhalb der Band, Drogenmissbrauch und ein völlig verschlossenes, unzugängliches und dekadentes Umfeld. Wenn man sich dies als Hintergrund vor Augen hält, dann war ihr Wechsel zu einer anderen Plattenfirma in den 80er-Jahren und ihr erneuter Erfolg von Anfang an zwar erfreulich, aber dennoch geradezu unglaublich. Sie wurden schließlich zu Symbolen, und ihre weit verbreitete Beliebtheit war noch umfassender als während ihrer Startphase. Bei diesem Doppelalbum, einer Sammlung von 34 Tracks aus der Zeit der Geffen-Jahre erleben wir eine nicht mehr so ganz junge Band, die sich ihren Weg zurück an die Spitze mit einem solch hemmungslosen Elan erkämpft, dass so mancher nur halb so alte Neuling vor Scham erblassen müsste. In dieser Sammlung sind alle Highlights zu finden (unter anderem leben hier noch einmal ihr bahnbrechendes Rock-Rap-Stück "Walk This Way" mit Run D.M.C. wieder auf, ebenso "Rag Doll", "Dude (Looks Like A Lady)", "Love In An Elevator", "Janie's Got A Gun", "The Other Side", "Cryin'" und viele andere). Als Zugaben finden wir Live-Aufnahmen (eine Reihe von alten Hits und Erfolgen aus den 90er-Jahren), Auszüge aus Soundtracks ("Deuces Are Wild" und "Love Me Two Times" der Doors), ebenso verschiedene Raritäten (zum Beispiel Stücke, die nicht in ihren Alben zu finden sind wie "Don't Stop" und "Can't Stop Messin'", "Head First" und das bisher nur in Japan veröffentlichte "Ain't Enough"). Leider vermissen wir "Theme To Wayne's World". An den etwas blasseren Tracks kann man den immer stärker werdenden Einfluss von zusätzlich angeheuerten Harmonie-Schmieden wie Desmond Child und Glen Ballard bemerken und leider auch den beunruhigenden Trend der Band hin zur Mittelmäßigkeit, um sich den Erwartungen anzupassen. Jüngere Zuhörer werden dieses Album als zusammenfassenden Rückblick auf die goldenen Jahre von Aerosmith zu schätzen wissen. --Jerry McCulley |